20. Die Bedeutung von Unterordnungsübungen

(Warum sind gute Manieren so praktisch?) 

Sie haben Ihren besten Sonntagsanzug an, und Ihr Vierbeiner, der so gar keinen Sinn für modische Fragen hat, hüpft mit Begeisterung und mit Matschtropfen an Ihnen auf und ab. Der Anzug ist ruiniert und Ihre Laune auch, ach, wäre es doch praktisch, wenn man ihm einfach sagen könnte, daß er sich doch einen Augenblick ruhig hinsetzen soll! Oder: Beim Spazieren gehen läßt er Sie für das erste Kaninchen eiskalt stehen. Ihnen bleibt die leere Leine und die Hoffnung, daß es auch diesmal gut gehen wird und er noch rechtzeitig vor der Bundesstraße kehrt macht. Ach, wäre es schön, wenn er nur ein bisschen besser hören würde. Zugegeben, das Leben ist mit einem gut erzogenen Hund einfacher. Man kann ihn überallhin mitnehmen, man kann ihn unbesorgt auch ohne Leine laufen lassen, man muß nicht ständig Reinigungsrechnungen bezahlen und auch kein Schmerzensgeld an Jogger und Radfahrer, mit denen der Hund ein bisschen spielen wollte. Aber das ist nicht alles. Denn wenn Hunde gut erzogen sind, d.h. einige wenige Kommandos willig und zuverlässig befolgen, dann ordnen sie sich in dem Moment ihren Menschen unter und erkennen diese als Leithund an. Uns wenn wir dabei mit reichlich Lob und kleinen Belohnungen dafür sorgen, daß Ihnen die Unterordnung Spaß und Freude macht, dann haben alle ihr Erfolgserlebnis, und es ist wieder etwas für die Klärung der richtigen Rangfolge getan. Bei Tieren, die eine Veranlagung zu Dominanzverhalten haben, sind solche Unterordnungsübungen von größter Wichtigkeit. Wenn Sie Ihren Kavenzmann von einem 2 jährigen Rottweiler nämlich einmal anknurrt, weil er etwas „in den falschen Hals“ bekam, dann haben Sie im Grunde nur zwei Möglichkeiten zu reagieren: Die erste wäre, ihm in solch einem Moment eine saftige  und von Herzen kommende Ohrfeige zu verpassen, möglichst unters Kinn, aber vor allem schnell. Dies hat einem solchen Hund in einer solchen Situation nie geschadet. Wenn es prompt und mit Nachdruck passiert, kann es ihn und Sie vor weiteren, sich offenbar anbahnenden ernsthaften Schwierigkeiten bewahren. Wenn dies jedoch aus irgendwelchen Gründen nicht geht, z.B. deshalb nicht, weil Sie sich einfach nicht trauen, dann haben Sie noch die Möglichkeit, dem Hund umgehend ein vertrautes Kommando zu geben, zum Beispiel „Platz!“. Wenn er dies nun durchführt, dann könnten Sie es als eine Art Entschuldigung zunächst einmal akzeptieren, das Tier in der Folgezeit gut im Auge behalten und verstärkt Unterordnung mit ihm üben. So wäre es zumindest daran erinnert, daß Sie das Sagen haben. Nur, die Voraussetzung für eine solche Lösung ist, daß der Hund auf Ihre Kommandos absolut zuverlässig, d.h. reflexartig und ohne zu zögern reagiert, sonst wird er Sie in einem solchen „Augenblick der Wahrheit“ natürlich auch nicht befolgen. Daher ist es wichtig und notwendig, daß wir diese Dinge von Welpenbeinen an richtig üben. Man kommt dabei im Grunde mit einigen wenigen Befehlen aus.“ Komm!“ , „Sitz!“, „Fuß!“ und „Platz!“ reichen schon fast, aber diese wenigen müssen vom Tier mit schlafwandlerischer Sicherheit befolgt werden.