24. Tierpsychologische Sprechstunde

( Die Hilfe ohne Couch )

Sie haben alle Zeit der Welt investiert. Sie waren Stammgast auf dem Hundeplatz, um Ihrem Hund Unterordnung beizubringen. Sie haben sich über alle Maßen bemüht, aber trotzdem haben Sie das Gefühl, daß irgendetwas nicht hundertprozentig stimmt. Sei es, weil Sie einen ausgesprochenen  Dickkopf erwischt haben, der über das übliche Maß hinaus dominant veranlagt ist, sei es, weil Sie einen Hund aus dem Tierheim mit psychischen Vorschäden übernommen haben, sei es, weil zwischen Ihnen und Ihrem Tier aus irgendwelchen unklaren Gründen irgendwelche unklaren Missverständnisse aufgekommen sind. Was tun? Nun, das Erste und Wichtigste ist: Nichts verschleiern, nichts beschönigen, denn je länger man die Sache vertuscht, je länger das Problem besteht, um so mehr wird es sich festigen. Ein Beispiel: Wenn unser Hund durch Grummeligkeit aufgefallen ist, dann macht es keinen Sinn nach Entschuldigungen zu suchen, nach dem Motto: „Der Klempner hatte schließlich einen Blaumann an. Unser Hund hat eben Angst vorm Blaumann“ oder: „Das Kind hat die Arme hochgerissen, da fühlte sich unser Hund bedroht.“ Oder: „Wäre die Frau stehen geblieben, dann wäre nichts passiert.“ Nun, es gibt Klempner in blauen Hosen, und es wird sie immer geben. Kinder reißen (welch Wunder aber auch) die Arme immer hoch, wenn sie Angst vor einem Hund haben. Und niemand hat die Pflicht, bei einem knurrenden Hund stehenzubleiben. Manche Leute können das nicht, weil sie Angst haben. Alle diese Situationen wird es immer wieder geben, und das Tier muß damit zurechtkommen, ohne jemandem dabei etwas zu tun. Man sollte, wenn man mit der Situation nicht fertig wird, was durchaus mal vorkommen kann (und beileibe nicht selten vorkommt), um professionellen Rat fragen. Ihr Tierarzt oder Ihr Züchter werden Sie gerne beraten oder Ihnen einem so genannten Tierpsychiater  empfehlen. Was passiert bei der Tierpsychologischen Beratung? Nun, im Wesentlichen geht es darum, die gegenseitigen Missverständnisse aufzuschlüsseln. Der Therapeut arbeitet quasi als Dolmetscher. Er wird Ihnen helfen, zu verstehen, wann, warum und wie Sie und Ihr Tier sich missverstanden haben. Er wird mit Ihnen besprechen, wie Sie das Problem am schnellsten und effektivsten wieder aus der Welt schaffen können. Und natürlich wird er Ihnen erklären, wie in Zukunft solche Missverständnisse zu vermeiden sind.