14. Überlebensstrategien von Welpen

(Warum will die Beißhemmung gelernt sein?)

Vielleicht haben Sie schon mal gehört oder gelesen, daß Wolfs- und auch Hundewelpen von Geburt an vieles und erstaunliches können, ohne daß sie dies erst lernen müssten. Sie beherrschen eine Reihe von Beschwichtigungsgesten ihren erwachsenen Artgenossen gegenüber, sie werfen sich z.B. , wenn es ernst wird, blitzartig auf den Rücken, setzten dabei Urin ab, und schon sind sie für jegliche Art von Aggression seitens der Erwachsenen tabu. Sie betteln um Futter mit Pfoten und Schnauzenstoß und das so gekonnt, daß so mancher erwachsene Wolf oder Hund, der seine Mahlzeit gerne selber im Bauch behielte, gar nicht anders kann, als ein dummes Gesicht und einen langen Hals zu machen und den Kleinen alles vorzuwürgen. Das und noch einiges mehr hat die Natur den Welpen mit auf den Weg gegeben. Natürlich handelt es sich dabei zunächst ausschließlich um Verhaltensweisen, die darauf abzielen, dieses bisschen neue und noch so zerbrechliche kleine Leben zu erhalten. So ein Welpe kümmert sich nicht um andere. Wie soll er auch, wenn er alle Pfötchen voll damit zu tun hat, selbst irgendwie durchzukommen. Daher kennt er von Geburt an auch noch keine Beißhemmung seinen Geschwistern und Rudelgenossen gegenüber. Er entwickelt diese allerdings spätestens dann, wenn er feststellt, daß er jedes Mal, wenn er einen anderen zwickt, herzhaft und prompt zurückgebissen wird. Was ihm ja weh tut. Die Entwicklung der „natürlichen Beißhemmung“ ist also ein Lernprozess, der in den alterersten Lebenswochen und –monaten stattfindet. Nun verhält sich so ein Welpe in der Familie nicht anders als unter seinesgleichen, er knabbert und knuspert mit Wonne und sichtlichem Wohlbehagen an unserer Hand. Wer schon einmal mit so einem kleinen Piranha getobt hat, weiß, wie einseitig dabei da Vergnügen mitunter sein kann. Es gibt dabei Momente, da tun unsereinem sämtliche Finger schlicht und einfach weh. Nun versuche man, seinem Hündchen zu erklären, daß man doch lieber etwas moderater spielen möchte, so nach dem Motto:“ Hör mal, das fand Herrchen aber nicht gut!“ oder „Aua, du hast Frauchen weh getan!“ Kann es uns verstehen? Natürlich  nicht. Es knabbert auch gelassen weiter. Wenn wir schließlich die Flucht ergreifen, fühlt es sich noch aufgefordert, mit uns Fangen zu spielen und sich dabei als nächstes unsere Hacken vorzunehmen. Die einzige Möglichkeit, ihm die Wirkung seines Tuns deutlich zu manche, besteht darin, ihn spüren zu lassen, daß und wie doll er einem weh getan hat. Nicht mehr und nicht weniger. Kinder gehen mit diesen Dingen viel natürlicher und unbefangener um als wir Erwachsene. Es hat schon manches Menschenkind gegeben, das, empört über über das Zwacken, dem Hundewelpen seinerseits auch herzhaft ins Ohr gebissen hat. Nicht die schlechteste Methode. Nun , Hundeohrenbeißen ist nicht jedermanns Sache, aber man kann den Welpen in solch einem Moment auch flach auf den Boden drücken oder am Nackenfell nehmen oder ihm auch einen Klaps unter das Kinn geben. Wichtig ist , daß es prompt und gerecht, also unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit passiert. Die Schnelligkeit Ihrer Reaktion ist dabei entscheidend, denn es ist wichtig, daß die Strafe mit dem Biss und nur mit diesem in Zusammenhang gebracht werden kann. Verzögerte Erziehungsmaßnahmen sind unnütz und sogar schädlich. Genauso wichtig ist es jedoch, daß Sie (als Mensch neigt man leicht dazu) nicht nachtragend sind. Hat das Hündchen aufgehört einen zu malträtieren, spielt er wieder manierlich, muß es auch umgehend und ausgiebig gelobt werden. Und wenn es sich

vorher noch so wüst benommen hat. Tun Ihnen die angenagten Finger immer noch weh? Macht nichts. Ist der Welpe jetzt brav, wird er jetzt gelobt, denn er muß wissen, daß brav sein und manierlich sein genau das ist, was seine Menschen von ihm erwarten. In der Hundesprache hieße dies dann etwa:“ Komisch! Wenn ich beiße, tut mir das irgendwie immer gleich weh- aber wenn ich manierlich bin und ein bisschen aufpasse, dann loben sie mich und spielen weiter mit mir. Na so was!“