2. Ein Blick in die Zukunft

   (Was für ein Hund darf es denn sein?)

Könnten wir Sie mal kurz sprechen?

Ich meine, nachdem Sie zum 29sten Mal mit Ihrem Welpen draußen waren, den Benjamini Ficus (Wie? Das war kein Sandkasten?) wieder eingetopft, Ihre neuesten Paar Schuhe (haben aber gut geschmeckt!) in den Müll entsorgt und Ihre ramponierten Finger (Komm, wir spielen!) desinfiziert haben, hätten Sie jetzt einen Moment Zeit für ein paar Gedanken über die Zukunft? – Gut. Dann wollen wir uns gemeinsam überlegen, wie Sie Ihren Hund für die nächsten 12 oder 15 Jahre haben wollen und wie nicht. Die Weichen werden jetzt gelegt, da machen wir uns gar nichts vor. Denn der Hund lernt vom ersten Tag an. Das kann man nicht verhindern, selbst wenn man es wollte. Die Frage ist nur, was er lernt. Ein Beispiel: Halten Sie ihn grundsätzlich von Kindern fern, damit er mit Unruhe, Lärm und Unberechenbarkeit nicht „überfordert“ wird, dann wird er daraus folgern, daß Menschenkinder „irgendwie unheimlich“ sind, und er wird ihnen später entsprechend unsicher, ängstlich, misstrauisch oder sogar aggressiv begegnen.

Die Frage aller Fragen ist also: Wie stellen Sie sich Ihren Hund für die nächsten Jahre vor?

Oder haben Sie noch gar keine richtige Vorstellung? Haben Sie vielleicht gedacht, das werde sich schon irgendwie ergeben?

Sie wollen „einfach so“ einen Familienhund? Ein friedfertiges Tier, das zu allen und besonders zu Kindern lieb und freundlich ist und sogar den Briefträger unversehrt  von dannen ziehen lässt? Sie haben Recht: Es ist wunderbar, mit solch einem Tier zusammenzuleben. Stressfrei, erfreulich, friedlich- einfach schön. Nur: die allermeisten Hunde brauchen liebevolle, konsequente und verständnisvolle Führung, um so zu werden.

Oder wünschen Sie sich vielleicht etwas Kleines, Wohltuendes, Wuschelig-Lebendiges, Unkompliziertes? Gut. Aber vergessen Sie bitte nicht, daß auch der kleinste Hund in Urzeiten einmal Wölfe zu seinen Vorfahren hatte, zum Teil heute noch in durchaus wölfischen Kriterien denkt und, wie klein und niedlich auch immer, als Hund begriffen und respektier werden will.

Oder träumen Sie von der „Männerfreundschaft“, von dem Kameraden, der mit Ihnen durch Dick und dünn geht, der Ihnen durch seine Größe und Erscheinung Respekt verschafft? Vom gleichberechtigten Partner, der es Leuten, mit denen Sie nicht können, schon zeigen wird usw.? Vorsicht, Vorsicht!!! Gerade diese Hunde neigen unpraktischer Weise dazu, es nahe und nach allen zu zeigen: Ihren Kindern und Familienangehörigen, weil ihm diese wesentlich öfter in die Quere kommen als Ihre Erzfeinde oder gar Einbrecher. Und am Ende auch mit Ihrem Herrn, weil Hunde mit gleichberechtigten Partnerschaften auf Dauer so ihre Schwierigkeiten haben. Warum das so ist, werden wir noch näher erläutern. Für´s erste: Glauben Sie uns einfach.

Mit folgender Tatsache werden Sie daher leben müssen: Sie haben sich definitiv nicht „ein neues Familienmitglied“ angeschafft! Im Gegenteil: Sie sind ab jetzt keine Familie mehr, sondern ein Rudel. Und dort gelten die altbewährten, klaren, konsequenten Prinzipien wölfischen Miteinanders.

Sie haben die Wahl: Versuchen Sie aus Ihrem Hund einen vierbeinigen Beinah- oder Ersatzmenschen zu machen und Sie und/ oder Ihr Hund werden Schiffbruch erleiden. Oder lernen Sie zu denken und zu handeln wie ein (Über-) Hund, respektieren und befolgen Sie die Regeln des Rudellebens, übernehmen Sie den Posten des Leittieres und das Ganze wird ein Erfolg für Sie und Ihren Hund.

„Ja , aber wie machen?“ fragen Sie jetzt. Wir werden mit Ihnen auf den folgenden Seiten einige der häufigsten Fehlerquellen der „Beziehungskiste“ zwischen Mensch und Hund gemeinsam durchgehen und Ihnen dabei helfen, Ihren Hund wirklich zu verstehen. Denn dann , und nur dann, kommen Sie mit ihm in jeder Situation zurecht.