23. Die versteckte Belohnung 

(Wofür gab es das Leckerchen eigentlich?)

Hunde lernen schneller und leichter durch Belohnung als durch Strafe, und man kommt in ihrer Erziehung mit der ersteren bis auf ganz wenige Ausnahmesituationen sehr gut aus. Vorausgesetzt natürlich, man achtet bewusst darauf, was nun eigentlich belohnt werden soll. Dafür ist es wiederum notwendig, die Welt mit den Augen und dem Verstand eines Hundes zu betrachten, sich in ihn hineinzuversetzen. Ein einfaches Beispiel: Der Hund bettelt beim Mittagstisch. Er soll natürlich nichts vom Tisch abbekommen, aber er scheint dies nicht einzusehen, denn er bettelt immer penetranter. Wenn ihm jetzt, weil „er so guckt“ und quasi „nur mal ausnahmsweise“ doch noch etwas zugesteckt wird, wird er das nächste Mal wissen, daß Betteln alleine nicht ausreicht, nein, man muß es am besten gleich penetrant tun. Dies haben wir ja schließlich belohnt. Strafe und Belohnung, bzw. das, was das Tier als solche empfindet, beschränken sich nicht nur auf unsere bewussten Erziehungsmaßnahmen. Auch Dinge, die wir gänzlich ohne erzieherische Hintergedanken oder gar vermeintlich vom Hund völlig unabhängig tun, können sich auf seine Verhaltensweisen verstärkend oder löschend auswirken. Das gleiche gilt für das jeweilige Empfinden oder den Ist- Zustand des Tieres. Dinge, bei denen es sich , aus welchen Gründen auch immer, „zufällig“ immer wohlfühlt, werden von ihm als positiv und erfreulich angesehen und andere aus den umgekehrten Gründen  abgelehnt. Ein Beispiel soll das verdeutlichen: In einer Familie, in der bereits ein Hund lebt, wird ein  Baby geboren. Als engagierter Hundebesitzer versucht man jetzt natürlich, dem Tier die Situation dadurch zu erleichtern, daß man ihm gewissermaßen als Ausgleich sehr viel Zuwendung zukommen läßt, damit es „ja nicht eifersüchtig wird“. Aus naheliegenden Gründen geschieht dies zu Zeiten, in denen man nicht mit dem Neugeborenen beschäftigt ist. Das heißt, daß immer, wenn das Baby schläft, bei der Oma ist etc., der Hund gefüttert und gestreichelt wird, dann wird mit ihm gespielt und das alles besonders reichlich, weil er es, ja wie man weiß, „jetzt schwer hat“. Lediglich wenn das Baby dabei ist, spielt er nicht mehr die erste Geige. All dies muß dem Tier doch den Schluss nahe legen, daß es ihm in Abwesenheit des Babys besser geht denn je, daß es mit der Herrlichkeit jedoch immer dann vorbei ist, wenn das neue Familienmitglied auftaucht. Wer sollte da noch als Hund kinderfreundlich bleiben? Kehren wir das Ganze doch einmal um: Wenn es für den Hund Futter und Zuwendung vorwiegend nur noch im Beisein des Kindes gibt, was zugegebener Maßen ein wenig Umdenken und Umorganisieren erfordert, dann verbindet er die angenehmen Dinge des Lebens gedanklich bald mit dem neuen Erdenbürger. So gesehen findet man als Hund Babys geradezu entzückend oder doch wenigstens überaus wünschenswert. Und das sind sicherlich die besseren Voraussetzungen für den „Beginn einer langen und wunderbaren Freundschaft“.