7. Guck mal was ich schon kann  

(Was ist einfacher als „Sitz“ und „Platz“?)

So ein kleiner Hund, zumal ein hungriger, folgt mit seinem Näschen immer und unweigerlich Ihrer Hand mit dem Leckerli! Wenn Sie es geschickt anstellen, plumpst er automatisch in die Sitzposition (klar, sonst würde er ja umkullern), oder er legt sich auf de Erde, um unter Ihrer Hand nach Essbarem zu suchen. Verbinden Sie mal das Ganze mit einem Signalwort, und er wird binnen kürzester Zeit darauf hören.

In beiden Fällen haben wir jeweils nur zwei Dinge benutzt: ein Leckerli und ein Signalwort. Ganz kurz und knapp. Und das ist wichtig. Denn wenn Sie sagen „Mensch Mäxchen, nu setz dich doch, Mäxchen, du weißt doch, daß du dich hinsetzen sollst, Mäxchen, vorher gibt’s auch kein Leckerli....“, dann hat Mäxchen exakt folgendes verstanden: „ Bla- bla- bla, Mäxchen, Bla- blabba- labba- bla, Mäxchen, Bla – bla, Blablabla...“

Also: den Welpen mit dem Leckerli ruhig „ an der Nase herumführen“. Und jeweils nur ein einziges Signalwort für „Sitz!“ oder „Platz!“  oder „Fuß!“ oder was auch immer benutzen. Nicht mehr und nicht weniger. Und das auch noch leise! Psssst!... Ganz leise!.... Hunde können nämlich sehr gut hören, sogar die, die sonst überhaupt nicht hören können.

Schauen Sie Ihrem Tier bei solchen Übungen ins Gesicht. Der Augenkontakt ist bei Hunden ein ebenso wichtiges Kommunikationsmittel wie bei uns Menschen, auch wenn wir uns züchterisch erfolgreich bemüht haben, ihn häufig ganz und gar unmöglich zu machen. Nun, ohne einigen Rassestandards nahe treten zu wollen, muß an dieser Stelle gesagt werden, daß alle Hunde (Ich betone: alle Hunde!) ihre Augen zum Gucken, zum möglichst ungehinderten Sehen haben. Daß bestimmte Rassen die Zotteln im Gesicht aus gesundheitlichen Gründen für die Augen brauchten, ist ein Gerücht und medizinisch absolut unhaltbar. Das Gesicht darf also ruhig freigeschnitten werden oder man kann auch ein Schleifchen nehmen- Fakt ist jedenfalls, daß Ihr Hund entschieden mehr vom Leben hat (in der Beziehung ist er auch nur ein Mensch), wenn er Sie und seine Umwelt sehen kann.

Gut merken: Das Freigeben des Hundes, das aktive und deutliche Abbrechen der Übung unsererseits (Signalwort „Lauf!“) gehört zu einer jeden Übung dazu. Denn wenn wir es nicht tun, tut es der Hund und dann haben wir eines dieser Tiere mit Hummeln im Hintern, die kaum daß sie sitzen, schon wieder stehen usw. Das ist nervig und überflüssig.

Wenn wir „Sitz!“ gesagt haben, dann meinen wir schließlich „Wenn du dieses Wort hörst, dann tust du deinen Hintern auf die Erde, und zwar sofort, und dort, wo du gerade bist. Und bleibst dort solange, bis du ein anderes Signalwort hörst, z.B. „Lauf!“

Praktisch heißt das für unseren Hund Folgendes: „ Wenn ich „Sitz!“ höre, dann ist das eine gute Nachricht. Denn wenn ich prompt gehorche, dann gibt es viele nette Worte, ich werde gestreichelt und manchmal gibt es sogar ein Leckerli. Und wenn ich sitzen bleibe, was ich ja dann leider auch muß, ist das auch nicht das Ende der Welt, denn bald darauf höre ich „Lauf!“, und dann darf ich weitertoben.

Einigen der geneigten Leser werden sich jetzt die Nackenhaare sträuben, weil „Da wird unser Kleiner völlig überfordert! Das ist ja fast wie beim Militär! Wo bleibt da noch die freie Persönlichkeitsentfaltung meines Lieblings?“ In diesem Punkt können wir Sie beruhigen. Einem Hund, der einige wenige Signalworte prompt und zuverlässig befolgt, der auf Kommando sitzt (und sitzen bleibt!), der auch ohne Leine vernünftig bei Fuß geht, der sofort (und freudig!) kommt, wenn man ihn ruft, nun, einem solchen Hund werden Sie einen wesentlich größeren Freiraum gewähren können, als einem kleinen Chaoten, der nichts kann, der nicht hört und dessen Aktionsradius daher zwangsweise dort aufhören muß, wo die Flexileine endet.