8. Die Stubenreinheit  

(Nase reinstubsen gilt nicht!)

Junge Hunde müssen. Junge Hunde müssen ständig! Nach dem Schlafen, nach dem Fressen, wenn sie sich freuen, wenn jemand nach Hause kommt.... Macht pro Tag einhundertsechzehn Mal, grob gerechnet. Suchen Sie nicht nach Übergangslösungen, wie z.B. den Hund „vorerst“ in bestimmte Ecken der Wohnung machen zu lassen, die Sie mit Zeitungen ausgelegt haben. Sie können sicher sein, daß er diese Ecken später auch dann noch aufsuchen wird, wenn Sie es sich schon längst überlegt haben, daß er eigentlich doch lieber draußen machen sollte.

Am besten kommt es gar nicht erst zu einem Malheur, d.h. sie schaffen ihn einfach (?!)einhundertsechzehn Mal pro Tag, also, also nach jedem Schläfchen, jeder Mahlzeit, bei Freude, Aufregung usw. raus auf ein Stückchen Rasen. Wenn sich schon etwas anbahnt, versuchen Sie nicht erst mit dem angeleinten Hund das Haus gesittet zu verlassen. Schnappen Sie sich Ihren Hund und rennen Sie !!! Setzen Sie ihn auf den Rasen, und harren Sie der Dinge, die da kommen. Vergessen Sie nicht, diese Dinge (die da kommen) auch gebührend zu würdigen. Nur auf diese Art kann Ihrem Hund ein Licht aufgehen.

Merke: Einen Hund nie im Nachhinein für ein Malheur bestrafen. Das einzige, was er daraus lernen könnte, ist, daß es Sie ab und zu überkommt, ihn zu bestrafen. Das zerstört Vertrauen. Beseitigen Sie die Spuren, falls so etwas doch einmal passiert ist, kommentarlos und unauffällig. Und nehmen Sie sich vor sich zu bessern. Ja, richtig verstanden: daß Sie sich bessern und nächstes Mal aufpassen.

Fassen wir es noch einmal zusammen: Sie geben dem Hund Gelegenheit, sich so oft draußen zu lösen, daß es gar nicht erst zu einem Unglück in der Wohnung kommen kann. Und (ganz wichtig!) Sie sorgen dafür, daß für das Tier jede draußen vollbrachte Pfütze, jeder Haufen zu einem echten Erfolgserlebnis wird. Loben Sie ihn, vollführen Sie Freudensprünge, geben Sie entzückte kleine Schreie von sich, was auch immer, aber würdigen Sie das Ereignis gebührend.

Merke: Nase reinstubsen gilt nicht! Ist auch nicht nötig, wenn Sie nach obigem Plan vorgehen.

Es gibt bei Junghunden eine Verhaltensweise, die immer wieder Anlass für Ratlosigkeit gibt. Und zwar wenn sei gerade dann Urin absetzen, wenn eine Bezugsperson zur Tür hereinkommt. Dazu muß man wissen, daß Jungtiere im Wolfsrudel diese Verhaltensweise regelmäßig als Beschwichtigungsgeste älteren Rudelmitgliedern gegenüber benutzen. Sie soll soviel heißen wie „ Ich bin noch so klein und wehrlos und außerdem, ich gehöre zu euch, bitte, bitte tut mir nichts...“ Und im Rudel funktioniert diese Methode auch vollkommen zuverlässig. Die Erwachsenen sind entwaffnet, offenbar empfinden sie ein pinkelndes Wolfskind als absolut unwiderstehlich, jedenfalls würden sie ihm in dieser Situation nie und nimmer etwas antun. Wenn Sie wiederum ein pinkelndes Hundekind auf der Auslegeware nicht gar so unwiderstehlich finden, so liegt das einzig daran, daß Sie ja kein Hund sind. Und dafür kann ihr Welpe schließlich nichts. Er wird von Ihnen in dieser Situation und in sehr vielen anderen Situationen Ihres Zusammenlebens im Rudel erwarten, daß Sie sich an die alten und bewährten Regeln des Zusammenlebens im Rudel halten und daß Sie (re-) agieren, wie ein Überhund. Und ein Überhund würde über solch eine Geste niemals böse sein. Wenn Sie ihn also für die Pfütze bestrafen, bricht für ihn eine kleine Welt zusammen, denn er wollte Sie mit dem pinkeln ja gerade beschwichtigen. Da hilft nur eines: Wenn Sie wissen, daß Ihr Welpe so reagiert, dann seien Sie, wenn Sie zur Tür herein kommen vorbereitet. Schnappen Sie Ihn und absolvieren Sie das Begrüßungszeremoniell möglicht draußen. Versuchen Sie das Selbstbewusstsein Ihres Hundes zu stärken! Nicht in dem Sie ihn über Tisch und Bänke gehen lassen, sondern indem Sie ihm einen Rahmen abstecken und ihn innerhalb dieses Rahmens viel loben, belohnen und sehr viel mit ihm spielen.